“einfach nur…”

Mallorca 2024 ©farideh

“…einfach nur.

read english below

„Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte.“
— Lao Tzu

Es gibt sicher viele Möglichkeiten, diesen Satz zu verstehen und zu deuten.

Mich spricht er aktuell in meiner Ungeduld an.

Der Ungeduld, wieder einmal mit mir selbst konfrontiert zu sein.

Mit meinen Launen.
Meinen Stimmungen.
Dem Gefühl, auf der Stelle zu treten.
Mit all meinen Unzulänglichkeiten.

Umso frustrierender, wenn diese „Phasen“ nach einer absoluten Hochphase wieder zuschlagen.

Laut Lao Tzu muss ich das ja „einfach nur“ loslassen, und dann würde ich dem entkommen.

Zumindest ist das meine Interpretation.


Einfach nur ...



Aber warum will ich dem überhaupt entkommen?

OK, weil es unangenehm ist.

Weil es sich gerade nicht gut anfühlt, darin zu stecken.

Ist mein Streben nach „Entwicklung“ also „einfach nur“ dem Wunsch geschuldet, dem Unangenehmen zu entkommen?


Kann ich mich „einfach“ immer noch nicht aushalten?

Nach all den Jahren der Selbstentwicklung, Meditation, Übungen und Konfrontation mit mir selbst?

Ja.

Es ist von Zeit zu Zeit (einfach immer noch) sauschwer.

Oder ist es „einfach nur“ Unachtsamkeit, die uns wieder zurückfallen lässt?

Weil wir bequem werden, was die Achtsamkeit angeht, wenn es gerade so gut läuft?



Oder ist es die Macht der Gewohnheit?

Holt uns unser Gehirn einfach immer wieder in die bekanntere, vermeintlich sicherere Realität zurück, weil sie so dominant ist, dass sie neue Synapsen überschreibt, sobald wir nicht aufpassen?



Vielleicht ist es auch der Frust kurz vor dem nächsten Verstehen.

So wie bei kleinen Kindern, bei denen regelmäßig Phasen von „alles läuft gerade super“ völlig in sich zusammenfallen, bevor der nächste Entwicklungsschritt erobert wird.

Sei es Sehen, Laufen oder Sprechen ...



Vielleicht ist es eine Mischung aus vielem.

Da ich nicht behaupten kann, in die Meisterschaft eines Lao Tzu eingetreten zu sein, versuche ich es einfach mal

mit Geduld.

Mit Hingabe.

Und mit einem liebevolleren Blick auf mich selbst.


So, wie wir es auch bei Kindern tun.

Es ist nur eine Phase. Sie stellt nicht alles infrage, auch wenn es sich manchmal genau so anfühlt.

Und wie bei Kindern sind eine liebevolle Führung meines Geistes sowie bewusstes Hinschauen und Wahrnehmen tatsächlich hilfreich.

Ich mache trotzdem meinen Sport am Morgen.

Ich meditiere trotzdem.

Ich tue etwas, das mir guttut – wie das Schreiben dieses Textes.

In dem Maße, in dem es eben geht.

Vielleicht ist es das nächste Mal schon ein bisschen „einfacher“.

Oder ich bemerke schneller, was ich brauche.

Und vielleicht reicht das für den Moment auch schon.


If only….

"If I let go of what I am, I become what I might be."
— Lao Tzu

There are probably many ways to understand and interpret that sentence.

What speaks to me right now is my impatience.

The impatience of being confronted with myself yet again.

My moods.
My emotions.
The feeling of standing still.
All my shortcomings.


Even more frustrating when these "phases" return right after a period where everything seemed to be going so well.



According to Lao Tzu, "if only" I could let it all go, then I would be free of it.

At least that's my interpretation.


If only...


But why do I want to escape it in the first place?

Well, because it's uncomfortable.

Because it doesn't feel good to be stuck in it.

Is my desire for growth really only just driven by a wish to escape discomfort?

Can I still not tolerate myself?

After all these years of self-development, meditation, Awareness practices, reflection, and facing myself?

Yes.

Sometimes it is still damn hard.

Or is it simply carelessness that makes us fall back?

Do we become complacent when things are going well and stop paying attention?

Or is it the power of habit?

Does the brain pull us back into the more familiar, seemingly safer version of reality simply because it has been dominant for so long?

Maybe it's the frustration that comes just before the next understanding.

You can see it in children.

Again and again there are phases where everything seems to fall apart, even though things were going wonderfully just moments before.

And often, what follows is the next step of development.

Seeing more.
Walking.
Talking.

Maybe it's a mixture of all of it.

Since I can't exactly claim to have reached the mastery of a Lao Tzu, I'm trying something else.

Patience.

Surrender.

And a kinder view of myself.

The same way we treat children.

It's just a phase.

It doesn't call everything into question, even if it sometimes feels that way.

And just as with children, gentle guidance, paying attention, and consciously noticing what is happening seem to help.

So I still do my workout in the morning.

I still meditate.

I still do something that is good for me.

Like writing this text.

To the extent that I can.

Maybe next time it will be a little easier.

Or maybe I'll notice sooner what I need.

And maybe that is enough for now.

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presence vs. perfection